Teil 1: Im Leben und Tod bei Gott geborgen
„Darüber haben wir nicht miteinander gesprochen.“ So oder so ähnlich höre ich es von Zeit zu Zeit, wenn ich in der Vorbereitung auf eine stattfindende Trauerfeier die Angehörigen eines Verstorbenen danach frage, ob sie zu Hause gemeinsam auch über das Sterben sprechen konnten. Sicher, wer redet schon gern darüber, dass er sterben muss? Man möchte einander nicht noch mehr beschweren und mit den eigenen Gedanken und Empfindungen über das Sterben und den Tod belastend wirken. Aber ist das tatsächlich so? Verstehen kann ich es sehr gut, dass man dabei eine Beklommenheit empfindet und emotional herausgefordert ist. Ich höre auch von Menschen: „Dass wir zu Lebzeiten darüber reden konnten, das macht das Trauern und den Abschied leichter.“
Ich möchte mit diesen Zeilen Mut machen, sich im familiären Kreis Zeit zu nehmen, um diese wichtige und unausweichliche Frage zu Lebzeiten anzusprechen. Fragen wie:
– Welche Gedanken und Empfindungen habe ich, wenn ich mir vor Augen führe, dass mein Leben zu Ende geht?
– Wie geht es mir, wenn ich daran denke, dass ich geliebte Angehörige loslassen muss?
– Welche Gedanken prägen meine Sicht auf das Leben nach dem Tod?
Ich möchte die christliche Hoffnung in Kürze skizzieren und zur Auseinandersetzung damit anregen:
Paulus kann im Wissen um den eigenen Tod sagen: „Für mich bedeutet Christus das Leben. Und darum ist Sterben für mich ein Gewinn.“ Philipper 1,21
Paulus ist, wenn er dies sagt, alles andere als lebensmüde. Er sitzt zwar im Gefängnis und muss damit rechnen, dass seine letzte Stunde bevorsteht. Gleichfalls will er gern seine Lebenszeit dazu nutzen, dass andere Menschen Jesus Christus in ihr Leben aufnehmen. Warum? Weil allein Jesus Christus der Garant ist für ein Leben nach dem Tod unter den Bedingungen, die Gott sich für uns gedacht hat. Paulus bezeugt das (mit meinen Worten): Mein Leben gehört Jesus Christus, deshalb kann mir auch der Tod nicht schaden. Deshalb schreibt er auch in großer Gewissheit:
Ich bin zutiefst überzeugt: Nichts kann uns von der Liebe Gottes trennen – nicht der Tod und auch nicht das Leben, keine Engel und keine unsichtbaren Mächte. Nichts Gegenwärtiges und nichts Zukünftiges und auch keine andere gottfeindliche Kraft. Nichts Über- oder Unterirdisches und auch nicht irgendetwas anderes, das Gott geschaffen hat. Nichts von alledem kann uns von der Liebe Gottes trennen. In Christus Jesus, unserem Herrn, hat Gott uns diese Liebe geschenkt. Römer 8,38ff.
Das heißt: Wenn ich Vorsorge leisten möchte über den Tod hinaus, dann muss Jesus der Herr meines Lebens sein! Und das will er auch! Es ist sein Geschenk an dich und mich und an uns, ja an die Welt als Ganze, dass er sich am Kreuz von Golgatha stellvertretend für alle Schuld und Sünde geopfert hat, damit jeder, der an Jesus glaubt, Vergebung der Schuld und ewiges Leben erlangen kann. In Johannes 3,16 heißt es dazu:
Denn so sehr hat Gott diese Welt geliebt: Er hat seinen einzigen Sohn hergegeben, damit keiner verloren geht, der an ihn glaubt. Sondern damit er das ewige Leben erhält. Johannes 3,16
Teil 2: Sterben, Tod und Trauer – Gedanken zur Praxis der Feuerbestattung
Verstirbt ein Mensch, stehen seine Angehörigen vor der Wahl der Bestattungsart. In den meisten Fällen ist die Entscheidung schon vor Anmeldung der Bestattung getroffen. Besser ist es deshalb, im Voraus die eigene Vorstellung mit Abstand und in Ruhe zu überdenken. Dem sollen die folgenden Gedanken als Orientierung dienen.
„Bei uns wird niemand verbrannt“ – ein Feuerwehrmann hatte das gesagt, der sein Leben lang Menschen aus dem Feuer gerettet hatte. Andere äußern bei der Vorstellung, in der Erde zu verwesen, Befremden. Wieder andere entscheiden entsprechend ihrer Teilnahme an Trauerfeiern. Jeder kann frei wählen, wie er bestattet werden möchte! Ich gebe im Folgenden ein Plädoyer für die Erdbestattung:
Als Christen fragen wir zuerst, was die Bibel zum Thema Beerdigung sagt. In 1. Mose 3 sagt Gott zu Adam: „Du bist Erde und sollst zu Erde werden.“ Im weiteren alttestamentlichen Zeugnis ist die Feuerbestattung ein Zeichen für die Praxis außerhalb des Volkes Gottes. In 1. In 1. Korinther 15 wird die Beerdigung mit der Aussaat verglichen. Wie das Samenkorn in die Erde gelegt wird, damit aus ihm eine neue Pflanze wächst, so wird der irdische Leib, auch wenn er in der Erde verwest, zum Samen für den neuen Leib der Auferstehung. Die moderne Wissenschaft kann DNA-Spuren aus Knochenstrukturen herausfiltern, was darauf hindeutet, dass trotz der Verwesung wichtige Bestandteile des Menschen erhalten bleiben. Bei der Verbrennung hingegen werden jegliche persönliche Spuren ausgelöscht. In der Asche ist nichts mehr enthalten, was unverwechselbar an den Verstorbenen erinnern könnte.
Die Erdbestattung war im christlich geprägten Europa über fast 2000 Jahre feste Tradition. Erst zum Ende des 19. Jahrhunderts begannen sogenannte „Freidenker“ in bewusster Abkehr vom christlichen Glauben, ihre Toten zu verbrennen. Damit sollte zum Ausdruck gebracht werden, dass man weder an ein Weiterleben nach dem Tod, noch an eine Auferstehung glaubte. Mit abnehmender christlicher Prägung der Gesellschaft nahm die Zahl der Feuerbestattungen immer mehr zu, anfangs in den Städten, später auch auf die Dörfer übergreifend. Die Verbrennung erschien plötzlich als „normale“ Alternative, die zudem Platz und Geld sparen konnte.
Heute ist der eigentliche Hintergrund vielen, die eine Verbrennung befürworten, gar nicht bewusst. Weiterhin ist der zeitliche Aspekt zu bedenken, der zwischen dem Versterben eines Menschen und der Beisetzung seiner Urne liegt. Eine Erdbestattung findet in der Regel innerhalb von 8 Werktagen statt, eine Urne kann erst Wochen oder gar Monate nach dem Tod beigesetzt werden. Diese langen Zeiträume wirken dem Trauerprozess entgegen, für den die Abschiednahme auf dem Friedhof ein wichtiger Bestandteil ist.
Ich sehe in der Erdbestattung die natürlichste und würdevollste Form des Umgangs mit einem verstorbenen Menschen.
Pfr. Frank Trommler unter Vorlage von Gedanken von Pfr. Daniel Bilz