Wer ab und zu in den Bergen unterwegs ist oder dort Urlaub macht, der kennt das Auf und Ab bei einer Gipfelwanderung. Und wer sich zu so einer Wanderung auf den Weg macht, sollte sich schon vorher damit auseinandersetzen, dass es dabei nicht nur auf dem Weg, sondern hin und wieder auch mit den Gefühlen auf und ab geht. Besonders auf unbekannten Pfaden bringt jede Kuppe und Kurve neue Überraschungen. Je größer die Strecke ist, umso stärker wird die Sehnsucht danach, endlich anzukommen, endlich den Gipfel zu erreichen, endlich am Ziel ausruhen zu können. Jede Kurve, nach der das Ziel immer noch nicht in Sicht ist und jede Kuppe, hinter der sich ein erneutes Tal und ein weiterer Anstieg verbirgt, lässt vielleicht bei dem einen die Enttäuschung wachsen, andere wiederum sind davon noch einmal neu motiviert. Wer an solchen Wegpunkten kurz vor dem Verzweifeln ist, sollte entweder eine Pause machen oder sich innerlich wieder neu vor Augen malen, zu was für einem wunderschönen Ziel er unterwegs ist. Denn ich glaube, dass das richtige Ziel der entscheidende Motor auf einer Wanderung durch die Berge und auch auf der Wanderung durch unser Leben sein kann.
Die Menschen um uns herum haben ganz unterschiedliche Lebensziele, und diese Ziele bestimmen nicht selten den Alltag und die Art der Lebenswanderung. Dem einen geht es darum, möglichst viel Geld zu verdienen oder wenigstens genug, um gut über die Runden zu kommen, und dafür wird ein großer Teil der Lebenszeit in Arbeit investiert. Wer dieses Ziel nicht hat, wird vielleicht etwas entspannter mit seiner Arbeitszeit umgehen. Eine andere möchte Anerkennung erleben und ist dafür unter Umständen sogar bereit, die eigenen Überzeugungen über Bord zu werfen. Wem egal ist, was die anderen über ihn denken, wird eher sagen, was er denkt, auch wenn das anderen nicht gefallen könnte. Wieder andere möchten den Schönheitsidealen von sogenannten Topmodels folgen und sind dafür sogar bereit, die Strapazen von Operationen und Diäten durchzustehen oder in Fitnesscentern noch mehr als bei Bergwanderungen zu schwitzen. Wer auf Äußerlichkeiten keinen großen Wert legt, wird sich diesen Stress vermutlich nicht antun.
Die Ziele bestimmen unser Leben und motivieren uns, bestimmte Dinge zu tun oder zu lassen.
Als Christen werden wir vermutlich auch manchen Zielen in unserer Welt nachjagen, aber wir wissen, dass diese Ziele nicht das alles Entscheidende sind. Unser Ziel ist tatsächlich der absolute Gipfel, oder wie Paulus schreibt: „Ich laufe mit aller Kraft auf das Ziel zu, dem Siegespreis der himmlischen Welt entgegen. Dazu hat Gott uns durch Christus Jesus berufen.“(Philipper 3,14 NeÜ)
Dieses Ziel gibt uns die Richtung vor. Mit diesem Ziel vor Augen kann es gelingen, auch die schweren Wegstrecken durchzustehen und nicht resigniert aufzugeben. Dieses Ziel kann uns helfen, gute Entscheidungen im Leben zu treffen. Dieses Ziel, eines Tages auf dem Gipfel zu stehen und die Herrlichkeit Gottes in seiner neuen Welt zu sehen, ist der Motor, die Überzeugungen unseres Glaubens nicht zu verstecken, sondern auch anderen dieses Ziel vor Augen zu malen und sie einzuladen, Jesus, den Bergführer kennenzulernen.
Und ich wünsche uns, dass uns die Gipfelperspektive jeden Tag motiviert und das für andere sichtbar wird.
Pfarrer Heiko Wetzig