Mit Fokus leben
Mit einem vollen Teller Suppe den Weg vom Herd zum Esstisch zu beschreiten – das ist gar nicht einfach. Ich habe mir sagen lassen, dass Kellner nicht auf die Suppe, sondern auf den Gast schauen, dem die Suppe zu bringen ist.
Fokussiert zu leben, d.h. entschieden zu leben. Und das hat etwas mit meinem Blick, ja mit meinem Fokus zu tun. Treffe ich nicht die Entscheidung, wie ich heute den Tag angehen will, so überlasse ich den Umständen, wie ich lebe.
Ich will dich fragen: Worauf ist dein Blick gerichtet?
Denn worauf dein Blick gerichtet ist, das bestimmt dich auch innerlich und äußerlich. Ich richte meinen Fokus nicht allein auf das Problem oder die Probleme. Das Problem sorgt für sich selbst, dass ich es nicht vergesse. Vielmehr richte ich meinen Fokus auf das Ziel und auf den, dem keine Grenzen gesetzt sind. Und das ist Gott. Und das ist immer Gott. Von ihm her und zu ihm hin bin ich geschaffen. Er ist Schöpfer und Erhalter. Ihm liegt deine und meine Vergangenheit sowie unsere Gegenwart und Zukunft zu Füßen. In ihm ist alles beschlossen und deshalb entscheide ich mich, dass er mein Fokus sein soll.
Deshalb beginne ich auch meinen Tag nicht einfach blindlings. Ich stürze mich nicht einfach in die Flut des Alltags und warte nur darauf, dass ich allem aus eigener Kraft begegnen kann, was sich mir in den Weg stellt. Es braucht nicht viel, damit ich von einer Welle zu Boden gezogen werde, den Halt verliere und in der Folge mit dem Kopf unter Wasser gerate. Und das verunsichert mich erst mal. Ich gehe deswegen nicht unter und ertrinke, aber ich verliere den Fokus. Ich halte mir vor Augen, dass ich nicht der Fels in der Brandung bin. Ich bin Nachfolger und nicht Vorauseiler. Ich folge Jesus. Ich suche mit meinem inneren Auge Zeichen, die mir Gott schenkt. Ich bekomme Impulse für das, was zu tun und zu lassen ist. So kann ich zwischendrin fragen, Herr, was willst du, dass ich tue? Ich bin unterwegs mit einem hörenden Herzen und achte auf das, was der Heilige Geist mir Richtungsweisendes mit auf den Weg gibt. Wir dürfen unterwegs sein mit einem lebendigen Gott. Und er ist nicht stumm, er spricht dieser Welt zu, vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang.
Ich kann Gott gegenüber diese Offenheit zum Ausdruck bringen und beten: „Herr, ich will mich für dich und dein Reden offenhalten. Ich will das üben. Und ich bitte dich, dass du mir hilfst. Du und dein Wort sollen den Lauf dieses Tages bestimmen. Ich will nicht dem Zufall überlassen, was mich heute prägt. Herr, lass mich sehen, was du siehst. Segne mich und lass mich ein Segen sein. Präge mich.“
Und um in diese Haltung hineinzufinden, hilft es mir, Gott zu loben, seinen Namen zu ehren. Ja, mir vor Augen zu führen, dass allein Gottes es wert ist, Herr genannt zu werden. Im Lob Gottes versetze ich mein Inneres in die Realität des Reiches Gottes. So kann ich einen Choral singen oder auch ein Lied anhören, was sich mir imponiert. Und das richtet mich aus. Das Lob Gottes gibt mir Fokus und hält mein Herz auf Sendung. Ich erkenne, wer ich bin vor Gott und wer ich sein soll.
Ich erkenne in Gott mein Gegenüber. Ich bestimme mich von der Quelle her und lasse mich von der Quelle speisen. Bibelworte helfen mir, den Fokus zu behalten und ihn auch wieder zu finden, wenn ich diesen in der Hektik des Alltags verloren habe. Mir hilft es gerade in der Konfrontation mit Entmutigung, mir ein Wort vorzuhalten, was mir in den Sinn kommt. Ein Beispiel: Manchmal bin ich früh schon entmutigt oder im Laufe des Tages habe ich den Eindruck, dass in weiter Ferne von Gott bin. Und dann kann ich sagen: „Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat. Lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.“
Dabei geht es nicht um eine blinde Freude an den Umständen, über die man sich nicht freuen kann, sondern es geht um die Freude an Gott, der meine Umstände relativiert und der einen anderen Blick hat auf das, was meinen Weg begrenzt. Es geht darum, Gott Raum zu geben und ihn den Herrn sein zu lassen. Er sagt: „Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“ Ich ordne mich ihm unter.
Nicht immer habe ich eine Bibel dabei, aus der ich ein Wort zitieren kann und wo ich suchend unterwegs sein kann für das, was gerade jetzt entscheidend ist. Aber ich kann mir Verse, die mir helfen, auswendig lernen, um damit Gott im Blick zu behalten. Es ist eines der besten Mittel, um gezielt und fokussiert zu leben.
Ich lasse nicht zu, dass ich zugemüllt werde. Deshalb verschließe ich mich so gut es geht, auch all dem, was meinen Blick von Jesus wegwendet. Auch das ist ein aktiver Beitrag, um meinen Fokus zu halten. Oder ich konfrontiere das, was ich sehe mit Jesus und rede mit ihm darüber. Damit muss alles unter seine Herrschaft.
Bei alldem wird mir auch bewusst, was ich wirklich brauche und was mich eher ablenkt. Nur Gott kann mir das geben, was ich wirklich nötig habe. Das Ziel ist, dass ich Jesus ähnlicher werde. Das ist das große Ziel des Lebens und aber auch das Ziel des einzelnen Tages. Und das heißt: ich übe und lerne dazu. Ich falle hin und darf Gott darum bitten, mir wieder aufzuhelfen und meinen Fokus zu korrigieren.
Er will, dass ich mich bekleide mit seinen Schätzen und dass ich meinen Wert darin sehe, was er mir zugesprochen hat in seinem Wort. Gottes Wort gilt und es bleibt in Ewigkeit. Mit Fokus auf Gott, bin ich nicht Opfer der Umstände, sondern darf wie ein Wellenreiter auf den Wellen surfen, die Gott mir schenkt.
In diesem Sinne wünsche ich jedem und jeder von euch einen gesegneten und behüteten Sommer.
Frank Trommler, Pfarrer