In der Ruhe liegt die Kraft!?
Vor 10 Jahren veröffentlichte der Schwedische Autor Tomas Sjödin das Buch mit dem Titel: „Warum Ruhe unsere Rettung ist.“ Er attestierte damals seiner Zeit: „Wir gehen mit der Ruhe um, als könnten wir eigentlich gut ohne sie auskommen.“ Zugleich schreibt er auch Sätze wie: „Es braucht nur einen Tag in der Woche, um ein Leben zu retten.“ Ich las das Buch vor ein paar Jahren, erinnere mich aber nur noch spärlich daran. Bei dem Bibelwort aus dem Buch des Predigers im Alten Testament kam die Erinnerung aber wieder hoch. Der Prediger schreibt: Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind. (Prediger 4,6)
Wie geht es dir mit Ruhe? Gibt es diese Sehnsucht nach Ruhe für dich oder empfindest du Ruhe eher als eine Bedrohung? Hast du viel davon oder ist deine Ruheerfahrung eher spärlich?
Aus Sicht unserer Geschäftigkeit riecht die Ruhe nach Nichtstun und wird in der Folge negativ konnotiert. Nimmt man sich Ruhe, so ist das nicht selten mit einem schlechten Gewissen verbunden. Schließlich fangen die Gedanken gerade an zu kreisen, wenn man zur Ruhe kommen will. Da sieht man vor Augen, was versäumt worden ist oder was alles noch zu tun ist. Dabei machen Menschen doch gleichfalls die Erfahrung, dass Ruhe es erst ermöglicht, neu Fahrt aufzunehmen, Ideen freien Lauf zu lassen, und kreative Prozesse in Gang zu bringen. Ruhe ist also kein Beiwerk, sondern eine Notwendigkeit. Aber sie muss aktiv in unserem Alltag integriert werden, ansonsten ist unser Leben ein Leben der Rastlosigkeit.
Gott hat die Ruhe in die Schöpfung eingebaut. Er selbst ruht von allen seinen Werken. Wohlwollend schaut er auf das Werk der Woche, betrachtet seine Schöpfung, der er ein „sehr gut“ attestiert. Auch den siebenten Tag segnet Gott wie sein Schöpfungswerk. Zugleich heiligt er ihn, weil er an ihm ruhte. Später, als er seinem Volk am Berg Sinai die Weisungen und Gebote gab, machte er die Ruhe für die Menschen zum Gebot. So wie Gott von seinen Werken ruhte, so soll auch der Mensch ruhen, sich unterbrechen und innehalten. Das heißt, um mit Tomas Sjödin zu sprechen: „Die Ruhe ist keine Belohnung, nichts, das man sich verdienen muss. Sie ist eine Pflicht.“
Ruhe lässt mich aufmerksam werden für das, was ist. Sie hilft mir, auf Sendung zu bleiben für Gott und die Menschen, mit denen ich unterwegs bin. Ruhen ist damit auch eine geistliche Übung, um Gott Raum einzuräumen in meinem Alltag. Vor Gottes Wort komme ich zur Ruhe. In diesem Sinne wünsche ich eine gesegnete Zeit und regelmäßige Ruheerfahrungen zum Aufatmen.
Frank Trommler, Pfarrer