Unsere schöne, neu restaurierte Orgel

 

Zur Geschichte der Orgel in unserer Kirche zu Auerbach im Erzgebirge

Schon vor dem Jahr 1690 muss in der Auerbacher Kirche eine Orgel gewesen sein und den Gemeindegesang begleitet haben.
Aus einer Niederschrift des damaligen Pfarrers Heinrich Hackenberger (1686-1707 Pfarrer der Gemeinden Hormersdorf und der „Filia" Auerbach) sowie des Erbrichters Johann Markert geht hervor, dass 1690 durch „Spenden für Orgel und Orgelchor" ein neues Werk (l Manual, l Pedalund 3 Blasebälge, 12 Register) für 218 Taler von Tobias Dreßein aus Buchholz im Auftrage verfertigt wurde.
Altar, Kanzel, Orgel und Orgelchor bildeten damals auf der Ostseite ein einheitliches Ganzes.
Bemerkenswert ist, dass in der Orgel ein Register für „Trummel" und ein Register für „Vogelsang" genutzt wurde.
Bei der Renovierung 1713 wurde sie mit 3 neuen Registern erweitert. Nach weiteren 100 Jahren liegen Kostenvoranschläge eines Thumer Orgelmachers (August Zachert) vor, der die Orgel für 220 Taler reparieren wollte. Es wurde jedoch 1825 auf Vorschlag des „Consistoriums" der Anschlag des Orgelbauers August Hüttenrauch aus Glauchau angenommen, der den Zustand der Orgel für 200 Taler bessern und mit mancherlei neuen Pfeifen versehen wollte.
Am 13. Juni 1826 war die Übernahme und Weihe der Orgel, die aber nach 14 Tagen laut Anzeige des Pfarrers Traugott Benjamin Decker (1808-1831 in Auerbach) unter „Heulen" ihren Dienst versagte.
Aus der Niederschrift: „Die von Orgelbauer Hüttenrauch vorgenommene Verbesserung derselben scheint, ob sie gleich mit einem Violonbass verstärkt, und ihm über 200 Taler dafür bezahlt wurde, nicht nach Wunsch ausgefallen zu sein. Durch die letzte 1830 und folgenden Stimmungen ist sie recht leidlich wieder hergestellt worden, bevor sie ihren Dienst vollständig aufkündigte."
1846 wurde unter Leitung des Pfarrers Johann Gottlieb Leberecht Feller (1831-1862 in Auerbach) der Plan gefasst, das Kircheninnere umzubauen und dabei eine neue Orgel auf der Turmseite zu errichten. Orgelbaumeister Christian Gottlob Steinmüller aus Grünhain L Erzgeb.
(1792-1862) baute diese in den Jahren 1846/47 mit 2 „Ciavieren" (Manualen) mit Schiebekoppeln, l Pedal und 17 Registern für 1240 Taler.

Veränderungen seit 1848 an unserer Steinmüller-Orgel zu Auerbach:
1905 Die reparaturbedürftig gewordene Orgel wurde durch Fa. Alfred Schmeisser, Rochlitz instand gehalten.
1917 mussten alle zinnerne Prospektpfeifen ausgebaut und an den Reichsmilitärfiskus zu Kriegszwecken abgeliefert wurden.
1919 Neubaupläne für den Prospekt.
1921 wollte der damalige Kirchenvorsteher Emil Kurt anlässlich einer Kirchenrenovierung für die Erneuerung der Orgel spenden. Geschuldet der Inflation reichte das Geld nur für einen Teil des „neuen" Zinkprospekts , der bislang immer noch fehlte.
1922 wurden Teile des Prospektes, durch Fa. Jahn, Dresden, eingebaut Sowie auch
1931 der Rest des Zinkprospektes, Ausbau eines „Elektroventilators" an dem Blasebalg, sowie ein neues Register die „Aeoline 8'" ins Unterwerk (vermutlich an die Stelle des entfernten Cornetts).
Die Windladen und -kanäle waren derart überholungsbedürftig, dass 1937 mit der Fa. Gebr. Jehmlich, Dresden, über einen Orgelneubau verhandelt wurde, dessen Ausführung aber, des Krieges wegen, unterblieb.
(Veranschlagte Kosten mit 24 Register - 9900 RM) Der angelegte Orgelfonds aus Kirchweihkollekten und anderen Gaben, war auf 4274 RM angewachsen - wurde aber eingefroren und später wegen Inflation wertlos.
1947 der anormale lange heiße Sommer gab unserer Orgel den letzen Rest.
Verschiedene Register konnten gar nicht mehr, bzw. nur mit List (mit feuchten Lappen) gespielt werden.
1948 große Instandsetzung und Umdisponierung durch die Fa. Reinhard Schmeisser u.a.: Windladen in der Werkstatt überholt, dabei wahrscheinlich Messingpulpeten eingebaut; Ventile neu beledert, bzw. hergestellt; das Register der Aeoline in das Oberwerk versetzt, dadurch das Cornett wieder
eingebaut; Trompetenbass durch Oktavbass 4' ersetzt; Neuintonation und Stimmung. Es gelang neue Zinnpfeifen zu besorgen.
Sie umfasste jetzt etwa 1000 Pfeifen (Zinn, Zink, Holz) - 18 klingende Register (Oberwerk 6, Unterwerk 8, Pedal 4).
Am Abend der Währungsreform, am 24. Juni 1948 wurde die Orgel dem Kirchenvorstand übergeben.
Pfarrer Horst Buschbeck (1934-1949 i. Auerbach) schrieb in das Kirchenbuch:
„Die Tilgung wird in diesem Jahr sehr schwierig sein, aber in der Reichsgottesarbeit wollen wir uns der Führung Gottes anvertrauen. Die Orgel soll im Auerbacher Gotteshaus noch recht viele Jahre zu seiner Ehre erklingen. Sie soll Freud und Leid erquicken und trösten, sie soll bei jung und alt in die Herzen singen und spielen."
Bis 1970 Pflege durch die Fa. Schmeisser, Rochlitz.
1978 Reparatur und Umbau durch Fa. A. Voigt, Bad Liebenwerda gemäß Gutachten von Christoph Schwarzenberg, der die Fertigstellung auch abnahm.
Für 6736 DDR-Mark wurden folgende Arbeiten durchgeführt: Reinigung, Wurmimprägnation, Umbau der Oberwerkstraktur, Überholung der Hauptwerks- und Pedaltraktur, Neuintonation, Entfernung der pneumatischen Zusatzladung (1948 eingebaut), Erweiterung der Oberwerkslade durch ein neues Register (Zimbel 2fach).
In den folgenden Jahren wurden kleine Reparaturen, Instandhaltungsarbeiten sowie Intonation und Orgelpflege laut Aussage von Pfarrer Konrad Schwinger (1973 - 1999 in Auerbach) sowie Rechnungsbelegen und Aufzeichnungen von Herrn Fritz Thierfelder teilweise aus finanziellen Gründen und „Firmenmangel" u.a. durch den Jahnsbacher Kantor Reinhold Vorberger, den damaligen Auerbacher Kantor, Herrn Manfred Hackebeil, sowie einen ehem. Auerbacher (von der Potsdamer Orgelbaufirma Schuke), Herrn Hans Bertram Scheffler, übernommen.
Nach der politischen Wende (1989) wurde erneut über die Ausbesserung unserer Orgel diskutiert.
Im Kirchenvorstand wurde 2002 zugunsten einer historischen Aufarbeitung (1848) und Erhaltung der Grundsubstanz unserer klangschönen wertvollen Denkmalsorgel entschieden.
Nach der befürwortenden Stellungnahme des landeskirchlichen Orgelsachverständigen, Herrn Teichmann aus Wikau Haßlau vom 28.02.2003 überstellten uns der Orgelbaumeister Georg Wünning aus Großolbers-dorf, die Firma Reinhold aus Bernsdorf und Voigt aus Liebenwerda verbindliche Kostenvoranschläge zu einer Generalreparatur, die je nach finanzieller Lage der Gemeinde Schritt für Schritt abgearbeitet werden kann. Nach Genehmigung durch das LKA Dresden und nach Auftragsbestätigung begann die Fa. Georg Wünning, Großolbersdorf, am 5. Juli 2005 mit der völligen Demontage der Orgel.
In der Werkstatt wurden die Tontraktur, Registratur sowie die Windladen für das Haupt- bzw. Oberwerk und desolate Pfeifen repariert. Der Spielschrank wurde aufpoliert und die abgespielten Tasten im ersten Manual mit Knochenbelag artgerecht erneuert. Die Windlade wurde überholt, sowie Blasebalg durch Gummituch erneuert, die Ecken beledert und das Kanalsystem an Schadstellen mit Ziegenleder abgedichtet Aus den Windladen wurden die Messingstreifen (Schmeisser) entfernt und die Beutelpulpeten aus Lammleder und Weidenröhrchen ersetzt. In Eigenleistung der Gemeindehelfer wurde das Pfeifenwerk, das Innere der Orgel und die Blasebalgkammer im Turm gereinigt sowie die Kammer zum Turm hin isoliert.
Nach dem Einbau der Register bzw. der Pfeifen (einschließlich Cymbel 2f) begann am 07.11.05 die Intonation und Stimmung. Der staatliche Orgelsachverständige vom Amt für Denkmalspflege, Herr Dr. Hodick aus Dresden, begutachtete die Orgel am 30.11.2005.
Die Abnahme durch den landeskirchlichen Orgelsachverständigen, Herrn Teichmann, Zwickau, im Beisein von Pfarrer Gottfried Görner (Pfarrer der Schwesterngemeinden Auerbach, Gornsdorf, Hormersdorf seit 1999), KMD der Ephorie Stollberg Herrn Schürer, Kantorin Eva-Maria Schwimmer sowie Kirchvorsteher Jörg Vodel, Bauhelfer Christian Israel und Hausmeister Freimut Scheibner, erfolgte am 02.12.05 ab 10 Uhr. Die aufwendige Arbeit der Firma Wünning wurde gelobt.
Da auch unsere historische Steinmüllerorgel entsprechend dem Zeitgeschmack Umbauten bzw. geänderte Dispositionen über sich ergehen lassen musste, wurden weitere Nachbesserungen vorgeschlagen, um originalgetreuer zu werden:
- Erneuerung aller minderwertigen Zinkpfeifen in 80% Zinnlegierung nach alter Bauweise und Mensur am Prospekt.
- Originalere Überarbeitung einschließlich alter Register durch Schleifensteuerung: Cornett 3, Quintade 8', Gemshorn 2', Trompete 8' in neuer Ausführung ( Der Trompetenbass 8' wurde 1948 durch den jetzigen Oktavbass 4' ersetzt).
Zur Finanzierung kann gesagt werden, dass die ausgeführten Leistungen im Einklang mit dem Kostenvoranschlag liegen.
Seit 2 Jahren wurden von der Kirchgemeinde 23.611 € gespendet - das ist sehr erfreulich.
Die genaue Rechnungslegung erfolgt Anfang 2006 und wird sich erwartungsgemäß auf reichlich 30.000 € belaufen.
Wir wollen nicht vergessen, dass unsere Orgel zum Lobe Gottes bestimmt ist. Sie soll in den Gottesdiensten den Gemeindegesang begleiten und unsere Kirchenmusik bereichern. Es besteht nun die Möglichkeit, geistliche bzw. klassische Musik einem immer größer werdenden Zuhörerkreis darzubieten.
Wünschen wir unserer Orgel, dass sie noch lange dem Zuhörer Freude bereitet. Abschließend dazu die Worte des „5. Apostels" , Johann Sebastian Bach, die er unter seine Noten schrieb:



SOLI DEO GLORIA!
Gott allein gebührt die Ehre!

Recherchen: Eva-Maria Münzner
Text: Christian Israel
Literatur: - Archiv, PfA Auerbach
  - „Acta Organologica",K. Walter, Verlag Merseberger, Bln 1987